Warum?

Diese Geschichte schrieb ich, um meine Trauer und meinen Schmerz in den Griff zu bekommen.

Moritz ist eigentlich der Begründer des Streunerhofes, denn ich habe ihm am Grab versprochen, dass nie wieder eine Katze in meinem Umfeld leiden muß, wenn ich es verhindern kann. So nahm alles seinen Lauf und ich bin sicher, mein kleiner Moritz ist sehr stolz auf mich. Ich habe mein Versprechen, das ich einem kleinen toten Kater gegeben habe, gehalten.

 

 

Warum?
Warum ich?
Ich war doch erst 10 Monate alt. Und immer ein braves Kätzchen, hat meine Mama gesagt.Zwei so schwere Krankheiten hat sie mir überstehen helfen.
Und ich habe die Wiese doch so geliebt. Habe mit meinem Halsband immer Blumen dort für meine Mama gefangen.
Ich war mit Mama im Garten, als sie Unkraut gejätet hat. Habe ihr immer wieder auf die Hand gehauen. Das hat uns beiden Spaß gemacht.
Aber dann lockte wieder die Wiese und ich tigerte hin.
Auf einmal war es so laut auf meiner Wiese und ich wollte zu meiner Mama laufen.
Zu spät! Ich spürte noch einen harten Schlag, dann war alles schwarz. Mama, deshalb konnte ich dich nicht rufen!
Irgendwann, es war schon dunkel, da wurde ich wieder wach. Ich lag in meiner Wiese und konnte nicht mehr laufen. Schmerzen durchzogen meinen kleinen Körper.
Wo ist meine Mama?
Ich zog mich auf meinen Vorderpfoten Richtung Heimat. Ich schaffte es aber nur zur Scheune des Nachbarn. Ich putzte mich erst einmal, so gut es mit den entsetzlichen Schmerzen ging.
Wo ist meine Mama?
Es wurde wieder schwarz um mich.
Auf einmal hörte ich meine Mama rufen. Mit letzter Kraft schrie ich nach ihr.
Endlich – meine Mama!
Die Scheunentür ging auf, Morgenlicht fiel herein und meine Mama war da.
Ich habe mich so gefreut. Nun wird alles gut, meine Mama ist da.
„Moritz, Mäusezahn, mein Baby“. Meine Mama liess mich nicht mehr robben. Sie nahm mich vorsichtig auf den Arm und streichelte mich. Ihr liefen Tränen das Gesicht herunter.
Aber mir war endlich wieder warm und die Schmerzen waren vergessen. Ich war glücklich, Mama wird mir helfen.
Vorsichtig ging Mama mit mir los. Auf einmal hörte ich sie schreien, wie ich noch nie jemanden schreien hörte.
Aber jetzt waren wir daheim. Beide Herrchen waren da, aufgeschreckt durch das Schreien. Auch die Nachbarn kamen, um zu sehen, was passiert war.
Ich hörte nur „Tierarzt“ und spürte die Wärme und Liebe von meiner Mama.
Herrchen kam mit dem Auto und Mama setzte sich vorsichtig mit mir rein. Mama weiss, dass ich gerne Auto fahre.
Während der Fahrt kamen die Schmerzen wieder und ich biss Mama in die Hand. Ich wollte es nicht, aber ich konnte nicht anders. Es war so schlimm.
Beide Hinterbeine waren bis zum Ansatz nicht mehr vorhanden und ein Stück vom Schwanz fehlte. Auch eine Vorderpfote war halb abgetrennt.
Beim Tierarzt legte mich meine Mama auf eine kalte Fläche und ich bekam eine Spritze. Das tat weh.
Aber kurz danach spürte ich keine Schmerzen mehr und ich fühlte mich leicht und matt.
Mama und Herrchen streichelten mich und redeten mit mir. Es ging mir schon fast wieder richtig gut.
Nun bekam ich noch eine Spritze und ich kam auf eine Blumenwiese mit allem, was das Herz einer kleinen Katze begehrt.
Mama, ihr fehlt mir aber!

Moritz, schwer verletzt am 31.05.02 nachmittags, eingeschläfert am 01.06.02 morgens.

In Gedenken an unseren Sonnenschein, der ein tiefes Loch hinterlässt.

 

Moritz kam unter ein Mähwerk. Er war nie in dieser Heuwiese - nie. Nur einmal und das war dann auch das letzte Mal.

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